Der 9. November

Was sagt uns der 9. November

Wenn es einen Tag der Deutschen gäbe, so wäre dies der 9. November. An diesem Tag hat sich in der deutschen Geschichte soviel für das Land und seine Bewohner geändert, dass er mit Fug und Recht ein solcher Tag sein könnte.

Sowie der 14. Juli für die Franzosen oder der Unabhängigkeitstag der Amerikaner haben viele Nationen ihren Tag, ihren Nationalfeiertag. Für das deutsche Volk hat der 9. November jedoch ambivalente Bedeutung. In diesem Tag hat sich das Volk nicht nur in einem historischen Jahrhundert zweimal selbst befreit, er hat auch den Auftakt für die millionenfache Ermordung von Mitbürgern gegeben.

Deshalb ist es gut so, dass wir diesen Tag selbst nicht feiern. Dieser 9. November ist vielmehr ein Erinnerungs- und Gedenktag sowohl an die Befreiung als auch an die Bedrückung von Menschen. Der 3. Oktober steht stellvertretend für den 9. November, wenn es um die Befreiung der Deutschen geht.

Eine Grenze löst sich auf

Die Grenzöffnung am 9. November 1989 zeigt deutlich, dass ein noch so rigides System irgendwann einmal ausgespielt hat. Menschen, die meinten, sie seien die führende Klasse, konnten diese Funktion nur ausüben, weil wir, das Volk, sie nicht daran gehindert haben. Als die Menschen die Angst verloren, waren sie bereits frei. Denn SED und Staatssicherheit reagierten ausschließlich mit der Angst.

Die zukunftsweisenden Intentionen, die nach dem Zweiten Weltkrieg den Aufbau der DDR ermöglichten, waren längst verflogen. Es ging nicht mehr um einen neuen Weg der Deutschen zu einer friedlichen Zukunft, es ging nur noch um Machterhalt und Diktatur. Leider haben die Deutschen ein Faible für Diktaturen, wie sich im 20. Jahrhundert gezeigt hat.

Man stelle sich einmal vor

die berühmte Pressekonferenz wäre anders verlaufen. Herr Schabowski wäre nicht so überfordert gewesen und hätte nicht noch einmal nachgeschoben: „ab sofort, unverzüglich“. Dann hätte der ganz normale bürokratische Weg seinen Lauf genommen. Die Menschen wären am folgenden Tag brav in die Polizeistellen gegangen, um dort Ausreisevisa zu beantragen.

Die würden sie aber gar nicht bekommen, da der technische Ablauf nicht organisiert war. Spätestens in dieser Situation hätten die Menschen aufbegehrt. Sie wären mit Sicherheit in Scharen in Richtung Mauer gegangen.